Friedenstifter
Texte

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„Verbundene Vielfalt“, mit dem Wunsch,
„Mögen alle Wesen, in all ihrer Vielfalt, ihre wechselseitige Abhängigkeit und eigentliche Verbundenheit miteinander erkennen und in Frieden und liebender Güte leben!“

Sabine Hoff


Forest Creations 

(from a Buddhist Nun, 2020-2021) 
The defilements are our whetstone: 
Every time we cut one through, the Sword of Wisdom gains on sharpeness. With every cut, the Sword of Wisdom gains on sharpeness. 

With e|v|e|r|y single little cut. 
Taņhā works like the advertisement industry: It promotes objects as 'The Ultimate Thing'. Avijjā falls for it... and Samsāra's business flurishes. 
The most liberating answer to craving is: "I don't need it!" 
Peaceful indeed is the freedom of need. 

Chair is made of the 4 elements. I is made of the 5 aggregates. 
Chair & I are ultimately the same: coreless & void. 
Who masters delight 
in chair's & I's voidness 
fares on Noble Path. 

To gain Full Emptiness, we must let go of everything. 
Radically. 
Compassionately. 
The Path is radical. 
Liberation also.
 
Kamma is no trifle. 
What we feed, we keep alive. 
What we feed, keeps turning rounds. 
What am I feeding, right here & now? 

What I am feeding remains alive... 
... and the Deathless remains a dream. 
Dukkha is a construction. 

So just as we construct it, 
Likewise we can destruct it. 
The wholesome, do it more frequently. 
The unwholesome, do it more mindfully.

Listen, how peaceful walking is, 
when thinking shuts up. 
Feel, how peaceful life is, 
anytime the mind stays still. 
We must devote ourselves to the practice, not to the results. 

Descartes reckoned "Cogito ergo sum", and concluded there's a Creator God. Buddha saw "Saņkhāro ergo sum", and knew there's no Creator God. 
Nibbāna is: Not needing other's love. 
Suffering is a mistake, 
The Noble Path is its correction. 

Food will never appease this hunger. 
Don't worry about this body dying. 
As long as there's avijjā, life goes on... 
The kilesas don't stick to us, we stick to them. 

Detach, unbind the kilesas, like the carriages of a train. Then "Final Station" is reached. Mindfulness must become a way of life, a life-style. 
Thinking = Ego-stroking. 
Life appears meaningless in itself. How could something empty/inexistent have a meaning!? But there's ONE life task: Realizing Nibbāna. 
When pleasure is free from fear & threat, dispassion is fulfilled. 
The perceiver is one end. The observer is the second end. Identification is the middle. Taņhā is the seamstress. 


(Inspired by Sn 1040-1042 & AN 6.61) 
Thinking is saņkhāring, 
Saņkhāring is binding, 
Binding is samsāring. 
Emptying the mind, 
We dwell unbound.

Bhava taņhā is one side of the coin, 
Vibhava taņhā is the other side, 
Upekkhā is the edge. 
By balancing on the edge, 
I gains peace & happiness. 
-- This is good. 

By letting go of both sides, 
And not clinging to the edge, 
I is released into the Deathless. 
--- This is Sublime.
 
(Inspired by: Majjhe Sutta / The Seamstress, AN 6.61) 
Lobha is one end, 
Dosa is the second end, 

Upekkhā is the middle. 
Taņhā is the seamstress. 
Letting go of both ends, 
And not clinging to the middle, 
Dis-covered is the Deathless. 
(Inspired by: Majjhe Sutta / The Seamstress, AN 6.61) 
Arising and ceasing are one, 
By nature simultaneous. 
Perspective builds duality. 
Falling apart, coming to be, 
Any difference one may perceive 
Is just a mind game, nothing real. 
CHANGE is the wise way of seeing. 
Simple change, nothing to worry. 
Who can see this Truth, this Dhamma, 
Who can truely see this Nature, 
Found True Refuge, Unshakable. 
When ever you feel lonely, 
remember: 
There's no me!
When ever you feel fear, 
remember: 
"No me, no mine, no myself --- 
therefore nothing to lose!" 
It's not about satisfying desire, but about ending desiring. 
"To be or not to be?" was Shakespeare's dualistic question. 
The true answer is beyond duality: 
To be without being. 
Fearful screams of ego 
Rise in scary emptiness. 
On delusion's walls they echoe, 
Till Peace is found in voidness. 
Dispassion unbearable, the Truth unacceptable, I escape into distraction. Temporarily, fully aware. 
I'm no fool. 
The old way' can't satisfy no more, its relief obviously ain't real. When weak, I resort to Untrue Refuge. Temporarily, knowingly. 
I'm no fool. 
My eyes are open, I'm not blind. I'm not lost, I'm not mislead. Still on Right Path, I face my limits. Temporarily, consciously. 
I'm no fool. 
The mind is set, I know the Compass, 
just need a rest out of compassion. Preventing madness out of wisdom, I surrender. Temporarily, mindfully. 
I'm no fool. 
Alas, dear Māra, don't think I'm fainting! Sorry to say, but you're not winning. I'm still on Track, still on the Path, Right Effort is one eighth of it. 

FEARLESS = HARMLESS. 
Can you imagine? Imagine the mind, fearless and harmless? 
Can you imagine? Really imagine? 
What a beauty! What a bliss! 
... It ain't a dream: Nibbāna is real.

By Samaneri Pasada

Bild von Sabine Hoff ‚Bunte Vielfalt‘

Achtung vor dem Leben
Quelle:
Die 5 Pfeiler der Weisheit (Knaur-Verlag)
„Die 5 wunderbaren Richtlinien“
Thich Nhat Hanh
Auszüge
„Wege zum Frieden in uns und in der Welt“


1. Achtung vor dem Leben

2. Großzügigkeit

3. Sexuelle Verantwortung

4. Aufmerksames Zuhören und einfühlsame Rede

5. Achtsamer Umgang mit Konsumgütern

Achtung vor dem Leben
„Im Bewusstsein des Leides, das durch Zerstörung von Leben entsteht, gelobe ich, Mitgefühl zu entwickeln und Wege zu lernen, das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen zu schützen (Originaltext incl. Mineralien).

Ich bin entschlossen, nicht zu töten, das Töten durch andere zu verhindern und keine Form des Tötens zu dulden, sei es in der Realität, in meinen Gedanken oder in meiner Lebensführung.“

Leben ist kostbar – es hat so viele Formen.

Die erste Richtlinie gründet auf Mitgefühl – karuna:die Fähigkeit jedes Menschen Leiden zu überwinden und zu verwandeln.
Wenn wir Leiden wahrnehmen, wird Mitgefühl geboren.
Deshalb ist es wichtig, dass wir mit dem Leiden in der Welt in Berührung bleiben.
Um das Mitgefühl in uns lebendig zu erhalten, müssen wir dieses Gewahrsein mit vielen Mitteln aufrechterhalten (Bilder, direktem Kontakt, Klängen…) – allerdings im „rechten Maß“ für uns, denn jedes Heilmittel muss in der richtigen Dosierung verwendet werden.
Wir müssen mit dem Leiden soweit in Kontakt bleiben, dass wir es nicht vergessen und Mitgefühl in uns fließen und die Energiequelle unseres Handelns sein kann.

Selbst nicht zu töten ist dafür nicht genug. Wir müssen darüber hinaus Wege finden, auch andere von Töten abzuhalten, z.B. durch Worte – einfühlsame Rede.

Wir müssen uns sorgfältig darum bemühen, das Töten auch in unserem Geist nicht zu dulden. Laut Buddha ist der Geist die Basis allen Handelns.
Ohne das richtige Verständnis eines Menschen oder einer Situation, können unsere Gedanken in die Irre gehen und Verwirrung, Zorn oder Hass hervorbringen.
Unser wichtigstes Ziel ist es deshalb rechte Einsicht zu entwickeln.
Wenn wir erkennen, dass alle Dinge einander bedingen – „dies ist so, weil jenes so ist“ – dann hören wir auf mit Schuldzuweisungen, Streit und Töten.

Um Gewaltlosigkeit üben zu können, müssen wir zuerst bei uns selbst anfangen.

In jedem einzelnen von uns gibt es ein gewisses Maß an Gewalt und ein gewisses Maß an Gewaltlosigkeit. Selbst wenn wir vegetarisch leben wollen – also ohne ein Lebewesen zu töten – ist es doch so, dass im Wasser, indem wir unser Gemüse garen, Kleinstlebewesen zugrunde gehen.
Also wir können nicht vollkommen gewaltlos leben, aber als Vegetarier gehen wir in „die Richtung der Gewaltlosigkeit“.
Es geht darum mit Entschlossenheit in diese Richtung fortzuschreiten

Am wichtigsten ist es „Gewaltlosigkeit zu werden“, damit wir nicht noch mehr Leiden schaffen.
Dafür müssen wir uns in Gewaltlosigkeit üben, unseren Körper, unseren Gefühlen und anderen Menschen und Wesen mit liebevoller Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut begegnen.

Mit Achtsamkeit – der Übung des Friedens – können wir beginnen,
die Kriege in unserem Inneren zu überwinden – und zu verwandeln.

Der wahre Weg, die Wurzeln des Krieges zu beseitigen, besteht darin, die Gifte in uns und unserem kollektiven Bewusstsein zu transformieren.
Wir müssen das alle gemeinsam tun.

„Ich gelobe Abstand zu nehmen vom Töten von Lebewesen.“
Auch Tiere zu Töten oder töten zu lassen und deren Fleisch zu essen.

Wenn es den Menschen gelänge, die Tierzucht zu Konsumzwecken zu ächten, wäre dies nicht nur ein einfühlsamer Akt gegenüber den Tieren selbst, sondern ebenso gegenüber den Armen, die das Getreide zum Überleben brauchen.

Der „Tropfen des mitfühlenden Wassers“ ist die Übung liebevoller Güte,
der der ausgedörrten Erde – der Welt voller Not und Leiden – wieder den Frühling bringt.
Nur ein Tropfen vom Wasser des Mitgefühls reicht schon, damit es Frühling wird!



Hoffnung auf Dialog für Frieden in der Ukraine

Dalai Lama am Februar 2022
Der Konflikt in der Ukraine hat mich zutiefst erschüttert.
Unsere Welt ist so stark voneinander abhängig geworden, dass ein gewaltsamer Konflikt zwischen
zwei Ländern unweigerlich Auswirkungen auf den Rest der Welt hat. Krieg ist überholt –
Gewaltlosigkeit ist der einzige Weg. Wir müssen ein Gefühl für die Verbundenheit der Menschheit
entwickeln, indem wir andere Menschen als Brüder und Schwestern betrachten. Auf diese Weise
werden wir eine friedlichere Welt aufbauen.
Probleme und Streitfragen lassen sich am besten im Dialog lösen. Echter Frieden entsteht durch
gegenseitiges Verständnis und Respekt für das Wohlergehen des anderen.
Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert des Krieges und
des Blutvergießens. Das 21. Jahrhundert muss ein Jahrhundert des Dialogs sein.
Ich bete, dass in der Ukraine schnell wieder Frieden einkehrt.
Der Dalai Lama
„Gewaltlosigkeit zeichnet sich nicht einfach nur durch Nichtausübung von Gewalt aus,
sondern durch eine Haltung des Mitgefühls und des Eintretens für andere.
Es ist geradezu eine Manifestation von Mitgefühl.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir solch eine Vorstellung von Gewaltlosigkeit in der Familie,
auf nationaler und auf internationaler Ebene fördern müssen.
Jeder Mensch hat es in der Hand, zu solch mitfühlender Gewaltlosigkeit seinen Beitrag zu leisten.“
„Wenn wir Mitgefühl für andere entwickeln, bringt das innere Stärke,
und trägt zu unserem eigenen inneren Frieden bei.
Das reduziert automatisch Ängste.
Das ist wichtig, denn Angst und Stress können zu Frustration führen,
die wiederum zu Wut und Gewalt führen kann.
Es reicht nicht aus zu sagen, dass Gewalt destruktiv ist.
Um sie zu verhindern, müssen wir ihre Ursachen angehen, die sehr oft Angst und Wut sind.“
S.H. der Dalai Lama


„Worte“ von Thich Nath Hanh:
Quelle: „Die 5 Pfeiler der Weisheit“ – Aufmerksames Zuhören und einfühlsame Rede/S. 51 ff, 77-78 – Auszüge
Kriege und Bomben sind die Produkte unseres individuellen und kollektiven Bewusstseins.
Unser kollektives Bewusstsein enthält viel Gewalt, Angst, Gier und Hass.
Bomben sind Produkte unserer Angst.
Der wahre Weg, die Wurzel des Krieges zu beseitigen,
besteht darin, die Gifte in uns
und in unserem kollektiven Bewusstsein zu transformieren:
Wir müssen das alle gemeinsam tun.
Versöhnung ist eine tiefe Übung,
zu der wir durch achtsames Zuhören und Rede beitragen können.
Versöhnung bedeutet, Nationen, Menschen und den Mitgliedern unserer Familie,
Glück und Frieden zu bringen.
Man kann nur helfen, wenn man selber über dem Konflikt steht.
Darin besteht die Arbeit eines Bodhisattva. *

  • s.u. „Die 5 Stimmen von Avalokiteshvara“ Gedicht aus dem Lotos-Sutra, mit Kommentaren von Thich Nath Hanh

Aus dem Lotos-Sutra
Die 5 Stimmen von Avalokiteshvara.
„Die allumfassende Tür wird offenbar
im Klang des Wechsels der Gezeiten.
Lauschend und übend werden wir ein Kind,
geboren aus dem Herzen des Lotos,
frisch, glücklich und rein;
mit der Gabe zu reden und zu lauschen,
im Einklang mit der Tür, dem universellen Zugang.
Wenn ein Tropfen vom Wasser des Mitgefühls vom Zweig der Weide fällt,
kehrt der Frühling zurück zur großen Erde.“
Kommentar von Thich Nath Hanh
(Quelle „Die 5 Pfeiler…“ S. 52 ff)
Die 1. Stimme ist „die wunderbare Stimme“ von Avalokita:
Die Art zu sprechen, die „die allumfassende Tür öffnet“, die alles wieder möglich werden lässt.
Die Tür wirklichen Zuhörens und wirklichen Redens.
Ihre Essenz ist Mitgefühl.
Die 2. Stimme ist „die Stimme der erkannten Welt“ von Avalokita:
Die Art tief in die Welt zu sehen, und die Schreie der Welt zu vernehmen.
Das Leiden zu lindern durch tiefes Verstehen unserer Angst und Verzweiflung.
Die 3. Stimme ist „die Brahma-Stimme“ von Avalokita:
Die edle Art zu sprechen, Glück zu bringen und Leiden zu beseitigen.
In den Bereich von Brahma zu kommen – zu den Buddhas und Bodhisattvas – wo Liebe, Mitgefühl,
Freude und Unvoreingenommenheit ist.
Die 4. Stimme ist „die Stimme der steigenden Flut“ von Avalokita:
Die machtvolle Stimme des Buddha-Dharma, die alle falschen Sichtweisen und Spekulationen zum
Schweigen bringt.
Das Löwengebrüll, das zu Transformation und Heilung führt.
Die 5. Stimme ist „die weltüberschreitende Stimme“ von Avalokita:
Die mit nichts mehr vergleichbar ist. Weder Ruhm noch Gewinn oder Wettbewerb ist das Ziel.
Es ist das „donnernde Schweigen“, das alle Meinungen und Konzepte zerschmettert.
Wenn du „den Klang des Wechsels der Gezeiten“ vernimmst – der die Praxis von Avalokita ist, und die
allumfassende Tür symbolisiert – wirst du in ein Kind verwandelt, geboren im Herzen des Lotos.
Der „Tropfen des mitfühlenden Wassers“ ist die Übung liebevoller Güte,
der der ausgedörrten Erde – der Welt voller Not und Leiden – wieder den Frühling bringt.
Nur ein Tropfen vom Wasser des Mitgefühls reicht schon, damit es Frühling wird.


Unser Herz öffnen
Wir alle wünschen uns, mit unseren Mitmenschen in Frieden und Harmonie zu leben und mit
Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten positive Beziehungen zu pflegen. Trotzdem erfahren
wir durch Streit, Übelwollen und Unfrieden viel Leid. Oft suchen wir die Ursache dafür im Außen:
im Verhalten anderer oder in den besonderen Umständen der Situation. Wir denken, wenn wir nur
diese Kleinigkeit ändern könnten oder wenn diese Person diese oder jene Charaktereigenschaft
ablegen könnte, dann wäre alles wunderbar. So verbringen wir unser Leben damit, zu versuchen, im
Außen Dinge zu verändern, immer auf der Suche nach Glück und Frieden. Aber vielleicht stellen
wir irgendwann fest, dass jedes Mal, wenn wir etwas ändern, ein neues Problem auftaucht. Unsere
Lösung hat uns der Harmonie nicht näher gebracht.
Der Buddha lehrt uns, Frieden in unserem Innern, unserem eigenen Herzen zu finden. Die Konflikte
in unserem Geist führen zu Stress, inneren Verspannungen, und einem Herzen, das sich vor anderen
und auch vor uns selbst verschlossen hat. Wir sind nicht mehr in Kontakt mit der inneren Stille und
erleben dadurch viel Leid, sowohl geistig, wie auch in unseren Beziehungen mit anderen. Dies
spiegelt sich auf allen Ebenen unseres Erlebens, von kleinen Meinungsverschiedenheiten mit einem
uns nahestehenden Menschen zu internationalen Kriegen und Konflikten.
Als Buddhist:innen üben wir uns darin, unser Herz wieder zu öffnen und uns selbst und andere
einfach anzunehmen. Statt das Außen zu verändern, ändern wir unsere Einstellung dazu. Wir
praktizieren Mitgefühl, Freundlichkeit, Freude und Gleichmut und lösen damit die inneren
Verspannungen und Konflikte auf. Unser Herz weitet sich, bis unser Mitgefühl und Wohlwollen uns
selbst, alle Wesen und alle äußeren Situationen umfasst. Dann sind wir in Harmonie mit dem Leben.
An dieser Stelle enden alle Konflikte und wir finden den vollkommenen Frieden.

Ein Beitrag von Ayya Vimalanyani Bhikkhuni


Das Leid und der Krieg in der Ukraine berühren uns.

Kriege entstehen immer nur aus Gier, Hass und Verblendung.
Es ist schrecklich, wenn Menschen einander töten.
Abgesehen vom unsäglichen Leid, das verursacht wird, sind die karmischen Konsequenzen furchtbar
für den, der tötet und den, der töten lässt.
Mögen alle Wesen Hass und Rache aus ihrem Herz entfernen und es mit Wohlwollen und Mitgefühl
allen Wesen gegenüber füllen, auch den Aggressoren gegenüber.
Mögen alle diejenigen, die hilflos bei Gewalt, Hass und Krieg zusehen müssen,
ihr Herz nicht nur vor Hass, sondern auch vor Abstumpfung und Nicht-mehr-sehen-wollen
beschützen können.

Aus der Anenja Vihara


Botschaft zu Russlands Invasion in der Ukraine
2022-05.03.
Viele von uns sind schockiert, verärgert und entmutigt über die russische Invasion in der Ukraine. Viele
haben uns um Rat gefragt, wie wir als Dharma-Praktizierende auf diese extrem unsicheren und turbulenten
Zeiten reagieren sollen.
Dies ist in der Tat eine sehr schwierige Zeit. Selbst als wir gerade beginnen, etwas Hoffnung auf das Ende
der Pandemie zu sehen, ist eine mächtige Macht trotz der Proteste der übrigen Welt in ihr Nachbarland
einmarschiert. Dieser eklatante Akt hat Schockwellen in der ganzen Welt ausgelöst.
Ich persönlich bete und hoffe, dass die führenden Politiker der Welt ihr klares Denken und ihre Fähigkeit
zur Fürsorge – Eigenschaften, die uns allen angeboren sind – geschickt einsetzen können, um diese
gefährliche Situation zu deeskalieren und weiteres Leid für alle zu verhindern. Ich schließe mich allen
anderen wohlmeinenden und friedliebenden Menschen in unserer Welt an und fordere ein Ende dieses
Konflikts.
In der Zwischenzeit können schwierige Zeiten – wie der Buddha gelehrt hat – für Dharma Praktizierende
als Gelegenheit genutzt werden, unsere spirituelle Praxis zu vertiefen.
Wenn das Leiden des Samsara so offensichtlich und intensiv wurde, wie wir es jetzt erleben, zwingt es uns,
seine Ursachen zu erkennen und zu beseitigen.
Als Schüler des Buddha sollten wir uns daran erinnern, dass der Buddha die Unwissenheit in Bezug auf die
wahre Realität von „ich“, „mich“ und „mein“ als die Wurzel aller subtilen und offensichtlichen Leiden
identifizierte. Diese grundlegende Verblendung führt schnell zu Anhaftung und Abneigung, die sich
gegenseitig nähren und das gesamte Spektrum des Leidens hervorbringen, von bloßer Unzufriedenheit bis
hin zu allen Kriegen, die jemals geführt wurden und die die Welt in der Zukunft führen wird.
Was können wir also tun?
Unser Lehrer, der Buddha, hat diese Frage bereits vor mehr als 2500 Jahren beantwortet. Im
„Dhammapada“ sagte der Buddha:
„Der Hass wird in der Tat niemals durch Hass in dieser Welt besänftigt.
Er wird nur durch liebende Güte besänftigt. Dies ist ein uraltes Gesetz.“
Wann immer wir uns bedroht fühlen, sollten wir mit Weisheit prüfen, ob das „Ich“, das bedroht wird,
wirklich existiert, und mitfühlend über die Tatsache kontemplieren, dass es letztlich keine wirkliche Grenze
zwischen „Ich“ und „Du“ gibt.
Wenn Ihre Sicherheit und Ihr Leben oder die Unversehrtheit Ihres Heimatlandes tatsächlich bedroht sind,
werden Sie natürlich Ihr Heimatland verteidigen. Aber tun Sie es aus liebevoller Güte und nicht aus
Anhaftung an das Eigene oder aus Hass auf andere.
Wenn Sie tatsächlich auf der Seite stehen, die die Aggression verursacht, hören Sie auf!
Bitte seien Sie sich bewusst, dass Ihre Handlungen nicht nur denjenigen Leid zufügen, die Sie als Bedrohung
Ihrer Interessen ansehen, sondern dass Sie letztlich auch sich selbst Leid zufügen.
Denn Ihr Glück und Ihre Sicherheit können niemals durch Aggression und Krieg
erreicht werden.
Und schließlich, wenn Sie – wie viele von uns – nicht direkt auf einer der beiden Seiten dieses Konflikts
stehen, sondern verständlicherweise entsetzt oder empört sind, vergessen Sie bitte nicht, dass auch
diejenigen, die das Leid verursachen, selbst unter der Macht des Leidens stehen. Lassen Sie nicht zu, dass
Frustration in Wut und Hass umschlägt – von diesen „Feinden“ gibt es schon zu viel in dieser Welt!
Deshalb bitte ich euch alle, unabhängig davon, wo ihr euch gerade befindet, nicht zuzulassen, dass die
wahren Ursachen des Leidens ihren Griff auf uns noch verstärken, sondern stattdessen weiterhin Weisheit
und klare Sicht zu entwickeln und Liebe und Mitgefühl zu praktizieren, wann immer ihr euch verärgert,
verzweifelt oder ängstlich fühlt.
Ich bete, dass Sie diese kostbare Gelegenheit ergreifen können, um Ihre unvoreingenommene Liebe und
Ihr Mitgefühl zu vertiefen und mit Weisheit die wahren Ursachen für Frieden und Harmonie für unsere
Welt zu schaffen.

Kyabgon Drikung Thrinle Lhundrup


Krieg

Du fragst:
wie kann ich helfen,
was kann ich tun?
Sei offener Raum.
Denke für und nicht gegen.
Handle für und nicht gegen.
Wenn du spaltest, spaltest du dich.
Du bist immer auch das andere.
So versammle denn deine Teile,
akzeptiere alle,
ja liebe alle -
so kann die Angst dich nicht finden.
Du bist überall -
im dazwischen,
im weiten Blau des Himmels,
in der Tiefe der dunklen Nacht.
Du brauchst keine Ufer.
Du bist jetzt.
Ganz hier.
Atme,
öffne dein Herz,
entspanne dich.
So bist du ein Leuchtfeuer,
Hilfe,
wärme und Trost.
Wir sind eins.

ai
ein Text zur Verfügung gestellt von Karin Mari

Wenn du wahrhaft Frieden finden willst, bereite dich auf den Frieden vor.

Maulana, Malerei, Hossein Behzad, 1957


frieden
auf dem kissen

irgendwann
wenn es dann ganz still wird.
frieden
nur der atem, das leise heben und senken wahrnehmbar ist.
frieden
geräusche von außen die ruhe nicht stören.
frieden
dann ist es wie ein stiller waldsee
frieden
der wie blaugrüne spiegelnde seeoberfläche ist
frieden

in dir

von Mallikadevi


Protection and Peace for All
 

In these times of global disease, social disintegration, and destructive warfare,

we deeply treasure our sacred humanitarian values of

truth, kindness, trust and moral vigour.

We wish for happiness, well-being and safety,

but what protects us from the shadow of ignorance in this world?

 

If we can we develop the heart's courage, stamina and awareness,

to give up what is harmful to ourselves as to all –

in everything we do or say; even how we see and think –

we will stand up to what is fearful and unconscionable,

offering the best we can for the benefit of all beings.

 

By undertaking our own inner disarmament,

let us act as catalysts for the good,

and care well for each other

so that we can sow seeds of true compassion,

unconditional forgiveness,

and peace in this world –

while we still can.

                                                          Ayyā Medhānandī

Franziskus-Fenster in Taizé

„Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.“

(Anonymes Friedensgebet, oft Franz von Assisi zugeschrieben)

Über die Jahre, in denen mich das Friedensgebet begleitet, hat sich verändert was das „Herr“ und „ewiges Leben“ in mir antönt, wer/was das wohl ist. Doch die tiefe Berührtheit und Bereitschaft ein Friedens-Werkzeug zu sein ist geblieben.
Das Erkennen wo/wer das Werkstück ist, dass es nicht darum geht an anderen zu rumzuschrauben, wächst langsam. Gerade ist mir gegenwärtig was dieser Krieg im „Außen“ mit mir zu tun hat, wie ich Anteil an all dem Elend habe…
Werkzeug und Werkstück in einem zu sein, so gut es gerade gelingen mag, mehr weis ich nicht zu tun, um Frieden zu stiften. _()_

geteilt von Helga Müller


Frieden, hm, bisher habe ich nicht sonderlich tief über das Thema nachgedacht – wir leben im und in Frieden – das denken wir oft, so auch ich. Besonders da ich die Erzählungen von Eltern und Großeltern über den zweiten Weltkrieg kenne.

Die weltweiten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte machen jedoch deutlich, wie viele verschiedenen Ebenen von Frieden es wirklich gibt: grobe, feine, mein eigener (der wiederum auch viele verschiedene Ebenen hat), in der Familie, unter Freunden, im Land, auf dem Kontinent – in der ganzen Welt, in der Wirtschaft. Menschen, Tiere und der gesamte Planet sind weitere Ebenen.

Schaue ich mir die Definition an – wow, noch mehr verschiedene Arten von Frieden.

Oft in der Definition kommt ‚Schonung, Abwesenheit von Gewalt‘ vor und ist sicherlich einer der wichtigsten Aspekte. Auch andere Begriffe sind für mich ein unentbehrlicher Bestandteil von Frieden:

Harmonie, Gleichberechtigung, Trost, Unversehrtheit, Versöhnung, Sicherheit, Geborgenheit, Verständigung, Gleichgewicht, Gerechtigkeit, Teilen, Sicherheit, Schutz und Verantwortung fallen mir da ziemlich spontan ein. Alles Aspekte, die die Grundlage für Frieden bilden, ein Teil von Frieden sein müssen. Frieden ist eine Lebensnotwendigkeit, Überlebensnotwendigkeit, für alle Menschen, Tiere, die Natur und unsere Erde.

Frieden ist ein grundlegendes Bedürfnis und Recht für alle fühlenden Lebewesen. Wir benötigen eine gerechte Verteilung von Nahrung, Wasser, Energie, Kleidung und Schutz für alle Menschen auf unserem Planeten sowie eine gerechte Aufteilung von Macht – dann können wir in Glück, Harmonie und Liebe friedlich zusammenleben.

Im Buddhismus lernen wir außerdem, mit Hilfe der Geistesschulung wenigstens unseren eigenen Geist in diese friedliche und mitfühlende Richtung zu lenken.

Bhikshuni Lobsang Chökyi


Das Glück
Ach, wie so glücklich leben wir,
ganz ohne Haß bei Hassenden!
Bei jenen Menschen, die voll Haß,
wir wollen immer haßfrei sein!
Dhammapada 197
Der Stock
Ach, alle zittern vor dem Stock,
ach, alle fürchten sich vorm Tod,—
fühlt man das Gleiche in sich selbst,
nicht töten möge man, nicht schlachten.

Ach, alle zittern vor dem Stock,
ach, allen ist das Leben lieb,—
fühlt man das Gleiche in sich selbst,
nicht töten möge man, nicht schlachten.
Dhammapada 129 - 130

Frieden im Inneren bewahren und ausstrahlen lassen

Seit ein paar Tagen gehen wieder hunderttausende Menschen weltweit auf die Straße um sich für den Frieden in der Welt auszusprechen. Seit letzten Sonntag wird offen davon gesprochen, dass in Europa Atom- und Überschallwaffen in Bereitschaft versetzt werden. 

Ich bin ein Kind des kalten Krieges, geboren 10 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs von Eltern, die von diesem Krieg traumatisiert waren. Die Mutter hat uns Kindern  Heldengeschichten erzählt, die sie als Krankenschwester während der Bombardements erlebt hat, oder von ihrem illegalen nächtlichen Überschreiten der Zonengrenzen nach Ende des Krieges während der Besatzungszeit. Gefühle von Angst, die sie dabei erlebt haben muss, waren in diesen Erzählungen nicht spürbar. Dafür war ich von klein an ein ängstliches Kind. Wenn die Sirenen zum Probealarm heulten, weinte ich vor Angst, und auch das Geräusch der Starfighter, die in dieser Zeit häufig probten, ließen mich vor Schreck erstarren. Es lag in der Luft, dass derart existenzielle Gefährdung nicht befriedet war. Die abgespaltene Angst der Eltern war auf mich übergegangen.

Aber ich war mit dieser Kriegsangst nicht alleine.  Anfang der 80er Jahre gingen ebenfalls zigtausend Menschen für den Frieden auf die Straße. Auch ich schloss mich einer Gruppe von Frauen an, die im Hunsrück Friedenscamps organisierten. Sie waren vernetzt mit Frauen in England, den USA und Italien, die gegen die Stationierung weiterer Mittelstreckenraketen in Europa mit Aktionen auf sich aufmerksam machten. Für mich war das eine Chance, aus der lähmenden Hilflosigkeit ins gemeinsame Handeln zu kommen. Das war sehr heilsam für mich, nicht nur, weil ich mich mit meiner Zukunftsangst nicht mehr so isoliert fühlte, sondern auch weil es mich in Kontakt mit einer Art Spiritualität brachte, die ich bis dahin nicht gekannt hatte: Amerikanischen Frauen hatten Methoden entwickelt wie das „Empowerment-training“, (ein Training zur Ermächtigung, wie man den Begriff übersetzen könnte). Ein Teil des Trainings war eine angeleitete Imagination, in der wir uns in eine heile Zukunft versetzten und von dort aus darauf zurückblickten, was wir getan hatten, dass die Erde wieder heil geworden war.

In meiner Vision begegnete ich mir selbst als Kind. Ich hatte nichts zu tun gehabt, sondern ich hatte nur zu SEIN: Offen, wach, liebend, aufrichtig und weise wie ein Kind. Und ich war allein. Allein mit der Natur, aber verbunden, nicht einsam.

Ich „wusste“ auch, ich bin in diesem Universum zwar winziger und unbedeutender als der Bruchteil eines Staubkorns (als Individuum) aber gleichzeitig hängt auch alles von „mir“ ab. (von meiner guten Absicht. Sie ist der entscheidende Faktor, der das Gleichgewicht wiederherstellen kann).

Ich konnte diese Eindrücke zunächst nicht wirklich einordnen, doch sie haben mich gestärkt und eine Zuversicht vermittelt, die heilsam war und mich noch heute trägt.

Seither sind fast 40 Jahre vergangen. Die Mittelstreckenraketen im Hunsrück wurden tatsächlich nicht stationiert. Und wie man erst sehr viel später erfahren hat, war die Situation damals tatsächlich sehr gefährlich.

Wir haben nun fast 80 Jahre in unserm Land keinen Krieg erleben müssen. Ich kann darüber nur tiefe Dankbarkeit empfinden.

In den 80ern lautete die Warnung der „Ärzte gegen Atomkrieg“: „die Überlebenden werden die Toten beneiden“…..   

Was wir als überwunden geglaubt hatten, ist nun wieder aktualisiert: 52% der Deutschen hat laut einer Umfrage letzter Woche Angst, dieser derzeit lokale Konflikt könnte sich in einen Atomkrieg ausweiten. 

Seit Wochen wache ich nachts mit staubtrockenem Mund und einer existenziellen Angst auf, die mein Verstand nicht zuordnen konnte. Mein Herz zittert mit denen, deren Leben aktuell bedroht ist und die es noch vor sich haben könnten.  Ich kann diese Vernichtungsangst nur halten, spüren und ihr Raum geben, damit atmen und in Verbindung bleiben. Wenn ich dann aufstehe und das Tagesbewusstsein aktiviert wird, ist sie auch wieder fort, als wäre nichts gewesen. Wir gewöhnen uns auch an das Entsetzen.

Untertags sind es Vorstellungen, was noch passieren KÖNNTE, die den Organismus aufwühlen. Ich weiß, es sind Gedanken. Es ist zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht die Wirklichkeit.

Das Zitat „Mein Leben war voller Dramen, ein kleiner Bruchteil davon ist auch tatsächlich passiert..“ ist zum Schmunzeln, es könnte tatsächlich einfach eine Tendenz zur Schwarzmalerei sein, was mich da kriegt. Wir wissen nicht, was weiter geschieht. Dieses Nicht-Wissen ist manchmal schwer auszuhalten und bedrohliche Vorstellungen sind wie Magneten für unsere Aufmerksamkeit. Sie wieder davon zu lösen braucht viel klare Entschlossenheit.

Dennoch gibt es Heilmittel bei Hilflosigkeit und Ohnmacht.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hilfreich energetische Unterstützung ist, die von spirituellen Lehrern ausgeht. Eine Zuversicht und Ausrichtung, die jenseits dessen liegt, ob Dinge gut ausgehen oder nicht. Das Vertrauen, dass es einen Frieden gibt, der von äußeren Dingen nicht erschüttert wird. Ein Bezugsrahmen, der alles umfasst, weil er frei von Dualität ist, frei von den trennenden Vorstellungen von „Selbst“ und „Andere“ und auch außerhalb der Zeit.

Ja, was anderen geschieht, betrifft auch uns selbst. Ob wir uns dessen (zumindest in der Nacht) bewusst sind oder nicht.

Samvega ist ein Begriff aus dem altindischen Pali. Er bedeutet Dringlichkeit und Erschütterung, die uns helfen aufzuwachen und unterscheiden zu lernen, was in unserm Leben wirklich von Bedeutung ist. Und das dann aber auch zu leben und zu pflegen.

Was für mich dazugehört ist,

  • auf Wertungen zu verzichten und so etwas wie Harmlosigkeit und wohlwollende Fürsorge zu verkörpern. Die Harmlosigkeit bezieht sich nicht nur auf körperliche Handlungen, sondern sie beginnt bereits bei Gedanken und Worten.

In meinem Fall bedeutet Fürsorge, mitfühlend mit dem Kriegstrauma der Eltern in meiner Kinderseele zu sein, wenn die Horrorvorstellungen aufpoppen und sie als Vorstellungen von der gegenwärtigen Wirklichkeit zu unterscheiden.  

  • Auf Fixierungen und Zuschreibungen zu verzichten. Niemand, kein einziges Wesen auf dieser Welt hat unveränderliche Eigenschaften. „Von jemandem zu sagen: „ich kenne dich, du bist so und so…“ ist bereits Gewalt“ sagt Christina Feldman.

Es ist nicht naiv, vom Guten in Menschen auszugehen, und an das Gute in ihnen zu appellieren, selbst wenn sie zerstörerisch um sich schlagen. Nicht erst eine paranoide Weltsicht ist Wahn, bereits die Vorstellungen von „Selbst“ und „Anderen“, der wir alle unterliegen, sind fatale Verzerrungen der Wirklichkeit und könnten als Wahn bezeichnet werden.

  • Ein offenes, mitfühlendes Herz mit uns selbst und den eigenen Nöten aber auch mit all denen, die im Moment ihr Leben riskieren, ihr Hab und Gut oder ihre Liebsten verlieren, deren Lebensraum sich auf ein paar Quadratmeter U-Bahn-schacht reduziert hat, und die nicht wissen, ob sie aus all dem lebend wieder herauskommen.
  • Freiheit vor allem und in erster Linie als die Freiheit von mir selbst zu sehen. Freiheit von egoischen Impulsen und von Reaktivität.  

Lasst uns also nicht nur Friedensapelle an andere richten, sondern vor allem an uns selbst. Lasst uns die Selbstverpflichtung bekräftigen, für den inneren Frieden Sorge zu tragen und unsere Praxis all denen zu widmen, die Not und Leid erfahren, ob von innen oder von außen:

Mögen alle beschützt sein und sicher, mögen sie Unterstützung erhalten und tägiges Mitgefühl erfahren.

Möge es den Entscheidungsträgern in den verantwortlichen Positionen gelingen, aus Weisheit und Mitgefühl heraus zu sprechen und zu handeln zum Wohl aller statt aus dem Wunsch nach Machterhalt oder Rache.

Möge die Menschheit aufwachen zu Solidarität und Kooperation in Sorge um die Welt.

Möge meine Praxis ein Gewicht in dieser Waagschale sein.

Text von Regina Enders MBSR Lehrerin